Fachthema: Rechnungswesen im Studium

Jeder Student im Fach Wirtschaftsingenieurwesen, Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftsinformatik oder vergleichbaren Studiengängen muss zwingend in seinem Stundenplan eine Vorlesung oder ein Seminar zum Thema Rechnungswesen vorweisen können. Doch auch für alle anderen Studierenden oder Auszubildende (etwa als Industriekaufleute oder Steuerfachangestellte) kann die Lehre von Controlling bis hin zur Wirtschaftsprüfung interessante Aspekte beinhalten, die in Job und Studium noch von großem Nutzen sein können.

Doch was genau beinhaltet „Rechnungswesen“ überhaupt? Rechnungswesen, auch bekannt als „REWE“ , ist vor allem ein Informationsschema. Als Bestandteil der Betriebswirtschaftslehre geht es in erster Linie um die Erfassung und Erläuterung der ökonomischen Prozesse von Unternehmen. Die in diesen betrieblichen Leistungsprozessen entstandenen Geldströme und Leistungsströme werden im Rahmen des Rechnungswesens ganzheitlich aufgenommen und systematisch aufgearbeitet. Das Handelsgesetzbuch (HGB) beschreibt die Kontrollauflage mit der Überschrift „Buchführungspflicht“ wie folgt: „Jeder Kaufmann ist verpflichtet, Bücher zu führen und in diesen seine Handelsgeschäfte und die Lage seines Vermögens nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung ersichtlich zu machen. Die Buchführung muß so beschaffen sein, daß sie einem sachverständigen Dritten innerhalb angemessener Zeit einen Überblick über die Geschäftsvorfälle und über die Lage des Unternehmens vermitteln kann. Die Geschäftsvorfälle müssen sich in ihrer Entstehung und Abwicklung verfolgen lassen.“ (§ 238 Abs. 1 HGB)

Wie sieht eine professionelle Finanzbuchhaltung und ein lückenloser Jahresabschluss aus? Wie hat eine Inventur vonstattenzugehen, was muss bei Bilanz und Buchführung beachtet werden, wie schließt man das Geschäftsjahr ab, welche Kosten werden wo wie hineingerechnet? Welche Kenntnisse des deutschen Handelsrechts sind vonnöten? Welche gesetzlichen Grundlagen gelten für die Umsatzsteuer? Inwieweit stehen Aufwand und Ertrag in Relation? Mit all diesen Fragen beschäftigt sich das Rechnungswesen, welches neben der Gesamtstatistik und Planungsrechnung in externes und internes Rechnungswesen aufgeteilt wird. Soll etwa gegenüber dem Finanzamt Rechenschaft abgelegt werden, greift das externe Rechnungswesen, bei der internen langfristigen Unternehmensplanung und Steuerung sind die Ergebnisse natürlich ebenso nützlich und wichtig.

Externes Rechnungswesen

Im externen Rechnungswesen, auch Rechnungslegung genannt, wird gemäß des oben zitierten Absatzes des Handelsgesetzbuches die finanzielle Situation des Unternehmens für Außenstehende dargestellt. Es beinhaltet u.a. die Jahresabschlussbilanz mit Gewinn- und Verlustrechnung sowie die ordentliche Buchführung. Letztere wird im Zuge der Finanzbuchhaltung angewendet, um möglichst transparent alle unternehmensbezogenen Vorgänge (kurz: alles, was mit Geldströmen hinein, hinaus oder innerhalb des Betriebes zu tun hat) nachvollziehbar vorlegen zu können. Da bei vielen Unternehmensarten bestimmte gesetzliche Vorschriften gelten, kann es immer wieder zu Steuerprüfungen durch die zuständigen Behörden kommen.

Als Rechnungslegung bezeichnet man demnach jegliche relevante Information über die gegenwärtige finanzielle Lage eines Unternehmens (abgegrenzt zu bisherigen Schwankungen und Veränderungen), um Rechenschaft gegenüber Externen wie dem Finanzamt oder Kunden abzulegen, da diese in gewisser Weise mit dem Unternehmen in wirtschaftlicher Abhängigkeit bzw. zumindest in Wechselwirkung stehen. Diese werden auch „Rechnungslegungsadressaten“ genannt und können ebenso Arbeitnehmer, Lieferanten, Eigentümer oder etwa Gläubiger sein. Oftmals werden die Konzernabschlüsse sogar öffentlich zugänglich auf die jeweilige Homepage gestellt. Die gängigste Form bei größeren Unternehmen der dazu verwendeten Dokumente ist die doppelte Buchführung. Dabei wird (erneut im Sinne von § 238 HGB) zweimal der wirtschaftliche Erfolg ermittelt: Zunächst durch die Bilanz (die „doppelte“ Buchführung ist hier der Vergleich zur jeweiligen Vorjahresbilanz) und schließlich durch Vergleich der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV). Die Bilanz impliziert das tatsächlich vorhandene Vermögen und andererseits die Herkunft des Kapitals, also die dahinterstehende Finanzierung.

Internes Rechnungswesen

Das internes Rechnungswesen hingegen hat die Prozesse und Strukturen des eigenen Unternehmens hinsichtlich zukünftigen Erfolgen im Blick, ist demnach ergebniszielorientiert mit dem Zweck: zu protokollieren, um anschließend zu optimieren. Der geläufige Begriff dafür ist „Controlling“, abgeleitet von dem englischen Wort „to control“, das mit „steuern“ oder „kontrollieren“ übersetzt werden kann. Die Besorgung der nötigen Daten inklusive dessen professioneller Auswertung dient vornehmlich dazu, dem Management bzw. der Unternehmensführung bei der Planung, Steuerung und Kontrolle zukünftiger Unternehmenstätigkeiten wichtige Informationen zu liefern. Und wer planen will, benötigt selbstverständlich nachvollziehbare Zahlenwerte, die dem Controlling zugrunde liegen müssen, gerade wenn etwa Investitionsentscheidungen getroffen werden müssen. Konkret ist der Controller eine Person, die als geschulter Berater der Geschäftsleitung zur Verfügung steht, indem er regelmäßig Analysen wie Budgetpläne, Investitionsrechnungen, Szenarien, Kommunikation mit dem Management oder Wirtschaftlichkeitsberechnungen erstellt. In großen Unternehmen gibt es sogar einzelne spezielle Bereiche wie das Marketingcontrolling.

Kostenartenrechnung

Die Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) umfasst innerhalb des internen Rechnungswesens gesammelte Informationen, die eine recht kurzfristige Planung und Kontrolle von Geschäftsvorgängen vor allem durch Soll-Ist-Vergleiche erlaubt. Dabei wird u.a. geklärt, ob mögliche Investitionen oder sonstige Vorhaben auch wirtschaftlich und kalkulierbar sind. Im Gegensatz zum externen Rechnungswesen sind die Ergebnisse nicht derart zur Rechenschaft nach außen verpflichtet wie bei der Finanzbuchhaltung. Eine wichtige Teilrubrik der KLR ist die Kostenartenrechnung, die als Grundlage für die Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung angesehen werden kann. Dort werden die Gesamtkosten einer Abrechnungsperiode gesammelt und penibel kategorisiert. Für Banken gelten zum Beispiel Kostenarten wie Zinskosten oder Personalkosten. Weitere grundlegende Faktoren können Materialkosten, Dienstleistungskosten, Kapitalkosten oder Raumkosten sein. Insgesamt bildet die Kostenartenrechnung damit die Kostenstruktur des Unternehmens ab und ist die erste Stufe bei der Kostenrechnung, bei der dann in weiteren Schritten Kostenkontrolle oder Kalkulation eine Rolle spielen.